Mein Garten: Artenschutz und Kunstwerk

Wenn Kunst und Natur ineinanderfließen

Immer mehr Künstlerinnen und Künstler gestalten ihre Lebens- und Arbeitsräume nicht nur als Orte der Kreativität, sondern auch als lebendige Ökosysteme. Ihre Gärten sind dabei weit mehr als dekorative Kulisse – sie werden zu experimentellen Landschaften, in denen Ästhetik, Artenvielfalt und Naturschutz miteinander verschmelzen.

Der Garten als künstlerisches Medium

Auch mein Garten ist eine Erweiterung meines Ateliers. Pflanzen werden nicht zufällig gesetzt, sondern wie Farbtöne auf einer Leinwand komponiert. Formen, Lichtverhältnisse und saisonale Veränderungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Mein Garten erinnert dabei stark an die Provence. weiss und lila sind die Hauptfarben der ausgewählten hitzebständigen Stauden. Diese schaffen Lebensräume für Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber - auch habe ich inzwischen viele stachelige nachtaktive Bewohner: meine geliebten Igel.


Ich habe mich bewusst für ein Konzept entschieden, das modern wirkt, aber gleichzeitig ökologisch funktioniert. Besonders wichtig war mir, den Garten insektenfreundlich zu gestalten. Ich habe heimische Pflanzen gesetzt, die über das ganze Jahr hinweg blühen, damit Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten immer Nahrung finden.

Inspiration habe ich auch aus der Kunstgeschichte gezogen. Die Idee, einen Garten als Kunstwerk zu verstehen, erinnert mich an Künstler wie Claude Monet, der seinen Garten in Giverny nicht nur gepflegt, sondern bewusst gestaltet hat, um ihn später in seinen berühmten Seerosenbildern festzuhalten. Diese Verbindung von Natur und Gestaltung hat mich sehr geprägt.

Heute sehe ich meinen Garten als lebendiges Kunstwerk. Er verändert sich ständig: Farben wechseln mit den Jahreszeiten, Pflanzen wachsen, ziehen sich zurück, kehren wieder. Nichts ist statisch, und genau das macht ihn für mich so besonders.

Gleichzeitig ist er mehr als nur ein ästhetischer Raum. Er ist ein Beitrag zur Artenvielfalt direkt vor meiner Haustür. Ich sehe täglich, wie Insekten zurückkehren, wie sich das Leben darin entfaltet und wie ein kleiner Garten Teil eines größeren ökologischen Zusammenhangs wird.

Für mich ist dieser Garten heute eine Form von Kunst, die nicht im Atelier endet, sondern draußen weiterlebt – in Bewegung, im Licht, im Summen der Insekten. Alle Pflanzenarten in meinem Garten habe ich als Cyanotypien, also Eisenblaudrucke, festgehalten. Jede einzelne Pflanze wurde so zu einem Bild in Blau und Weiß – reduziert, abstrakt und doch ganz konkret. Diese Technik hat meinen Garten in eine neue Ebene überführt: vom realen Raum in eine künstlerische Dokumentation seiner eigenen Existenz.

Dabei ist jede Aufnahme mehr als nur eine botanische Abbildung. Sie ist ein Abdruck eines sehr persönlichen, fast intimen Raums – meines Gartens. Ein Ort, der für mich Rückzug, Gestaltung und Naturerfahrung zugleich ist. Indem ich die Pflanzen als Cyanotypien festhalte, entsteht eine Art visuelles Archiv meines Alltags mit der Natur, aber auch eine emotionale Kartografie dessen, was mir nah ist.

Der Garten selbst ist längst zu meinem wichtigsten künstlerischen Raum geworden. Doch durch die Eisenblaudrucke wird er noch einmal transformiert: Er löst sich aus der Vergänglichkeit der Jahreszeiten und wird zu etwas Dauerhaftem, fast Zeitlosem. Gleichzeitig bleibt er fragmentarisch – jede Pflanze steht für sich, jede Form ist ein Ausschnitt eines größeren Ganzen.

So entsteht ein Dialog zwischen Realität und Abbild. Der Garten lebt draußen weiter, verändert sich ständig, wächst und vergeht. Die Cyanotypien dagegen bewahren Momente davon – als stille, blaue Spuren eines Ortes, der für mich weit mehr ist als nur Natur: Er ist mein intimster privater Raum, der sich in Kunst verwandelt hat, ohne seine Lebendigkeit zu verlieren.

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Female Gaze - die moderne Bildkultur in der Aktfotografie

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Deepfakes versus künstlerischer Aktfotografie